Wie ist der Alltagsablauf einer Altenpflegefachkraft?

Wir haben Henriette und Maik in ihrem Alltag in einem Pflegeheim begleitet und bei der Arbeit über die Schulter geschaut. Vom Wecken und Anziehen der Bewohnerinnen und Bewohner bis zur Schichtübergabe am Nachmittag. Auch wenn in der Altenpflege kein Tag wie der andere ist, wollen wir euch einen Einblick in die Arbeit als Altenpflegefachkraft und in die Ausbildung geben.

Auf geht’s in das „Abenteuer“ Altenpflege!

Pflegende bei der Dienstübergabe.

6.30 Uhr Start in den Tag

Pünktlich um 6.30 Uhr, wenn sich viele noch die Augen reiben, startet Maik in den Frühdienst. Bei der Übergabe erfährt er vom Nachtdienst, ob es besondere Vorkommnisse gab. Das ist wichtig, damit er im weiteren Verlauf des Tages individuell auf die Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner eingehen kann. 

Pflegende bei der Blutzuckermessung.

7.02 Uhr Den Zucker im Blut messen

Die tägliche Blutzuckermessung steht für alle Diabetikerinnen und Diabetiker auf dem Programm. Wie funktioniert’s? Das Blut für die Messung wird entweder am Finger oder am Ohrläppchen abgenommen. Zuerst wird desinfiziert und danach mit einer ganz feinen Nadel in die Haut gestochen. Der erste Tropfen wird abgewischt. Erst mit dem zweiten erfolgt die Messung. Ist der Blutzucker zu hoch oder zu niedrig, wird eine Ärztin oder ein Arzt informiert. Zur Regulierung bei niedrigem Blutzucker hilft im ersten Moment auch mal ein Glas Apfelsaft mit einer extra Portion Traubenzucker.

Pfleger unterstützt Bewohnerin beim Frühstück.

7.30 Uhr Zeit für ein Frühstück

Wenn die Bewohnerinnen und Bewohner startklar für den Tag sind, beginnt das Frühstück. Für die Pflegekräfte sind die Mahlzeiten eine gute Gelegenheit, um die Beziehung zu den Bewohnerinnen und Bewohnern zu festigen. Dabei steht eine selbstbestimmte Nahrungsaufnahme im Vordergrund. Darauf legen alle Altenpflegerinnen und Altenpfleger großen Wert.

Pflegende mit Badewannen-Lifter.

8.14 Uhr Baden – auch eine Frage der Technik

Baden ist mehr als Körperpflege und heißt auch Entspannung. Während die Bewohnerinnen und Bewohner ihr Bad als Sinneserfahrung genießen, können sie im Lazarus Haus Musik hören. Der Lifter hilft den Altenpflegefachkräften dabei, Bewohnerinnen und Bewohner, die nicht mehr mobil sind, ohne großen Kraftaufwand ins Bad zu heben. Wie es funktioniert, zeigt Praxisanleiterin Lydia Erhardt. Maik lernt: „Vieles ist eher eine Frage der richtigen Technik.“ Auch zierliche Personen können damit schwere Personen heben.

Pflegende mit Bewohner bei der Sturzprophylaxe.

10.23 Uhr Schritt für Schritt – Sturzprophylaxe

„Am besten ist es, wenn die Bewohnerinnen und Bewohner sich bewegen“, weiß Henriette. Jede Bewegung der Gelenke hilft, mobil zu bleiben. Die Sturzprophylaxe sorgt dafür, dass mögliche Risiken, unglücklich zu stürzen, rechtzeitig erkannt und, soweit möglich, behoben werden. Schließlich kann der Heilungsprozess von möglichen Verletzungen im Alter länger dauern. Regelmäßiges Balance- und Krafttraining fördert einen guten Stand. Zusätzlichen Halt geben Handläufe, etwa im Bad oder an langen Fluren. Mit Praxisanleiterin Tanja Bruchmann und Henriette gewinnt Herr Dohrmann Schritt für Schritt Sicherheit.

Pflegende bei der Medikamentenverwaltung.

11.36 Uhr Die richtige Dosierung zählt - Medikamenten-verwaltung

Medikamente helfen, Krankheiten zu heilen oder zu lindern. Die Bewohnerinnen und Bewohner erhalten individuell Medikamente zu unterschiedlichen Tageszeiten. In der Pflegedokumentation sind sowohl die von der Ärztin oder dem Arzt verordneten Medikamente notiert als auch der Zeitpunkt der Einnahme und die Dosierung. Die Altenpflegefachkräfte stellen die Medikamente für die Bewohnerinnen und Bewohner bereit. Schließlich soll jeder nur genau die Medikamente bekommen, die für die Heilung nötig sind.

Pflegende bei einer Teambesprechung.

13.00 Uhr Dienstbesprechung

Gibt es neue Bewohnerinnen und Bewohner? Welche Vorerkrankungen bringen sie mit? Und woran kann es liegen, dass der Blutzucker bei einer Bewohnerin höher als gewöhnlich war? In der Altenpflege arbeitet man in multiprofessionellen Teams zusammen. Diese bestehen aus Altenpflegefachkräften, Ärztinnen und Ärzten sowie Kolleginnen und Kollegen aus der Physiotherapie, der Altenpflegehilfe und der Hauswirtschaft. Der regelmäßige Austausch, zum Beispiel in Teambesprechungen, ist wichtig, um eine gute Pflege für alte Menschen zu gewährleisten.

Pflegende mit Bewohnerin bei der Wundversorgung.

13.52 Uhr Wundversorgung

In der Dokumentation für Wundbehandlung erfasst Henriette den Heilungsprozess der Wunde. Jede noch so kleine Veränderung wird festgehalten. Die examinierte Altenpflegerin erklärt der Bewohnerin Frau Döring die Vorgänge und fragt sie nach ihrem Befinden. Beim Anlegen des neuen Verbands achtet Henriette genau darauf, dass er eine gute Blutzirkulation fördert und keine Falten wirft. Das könnte Druckstellen begünstigen und wäre schlecht für den Heilungsprozess.

Pfleger und Bewohnerin betrachten ein Fotoalbum.

14.07 Uhr Blättern in Erinnerungen – Biografiearbeit

Biografiearbeit ist ein wichtiger Teil der Altenpflege, erfährt man so doch viel über das Leben der Bewohnerinnen und Bewohner. Das hilft den Altenpflegefachkräften, Vorlieben und Verhaltensmuster der alten Menschen besser zu verstehen. Das gemeinsame Blättern im Fotoalbum kann gerade bei dementen Patientinnen und Patienten helfen, Erinnerungen wachzurufen und noch vorhandene Fähigkeiten zu reaktivieren. Bevor zum Beispiel neue Bewohnerinnen und Bewohner einziehen, stehen in der Regel mehrere Termine mit ihnen und den Angehörigen an. Sie besichtigen das Zimmer und klären die Altenpflegefachkräfte über Vorerkrankungen und Lebensgewohnheiten auf. Die Zeitspanne, bis die Bewohnerinnen und Bewohner sich eingelebt haben und sich in der neuen Umgebung zurechtfinden, ist unterschiedlich.

15.00 Uhr Dienstende

Gegen 15.00 Uhr steht der Schichtwechsel an. Henriette prüft, ob sie alles erledigt hat. Sie berichtet anschließend ihrer nachfolgenden Kollegin vom Tag der Bewohnerinnen und Bewohner. Gab es besondere Vorkommnisse? Was ist über den Tag passiert? Dann wechselt sie ihre Kleidung und freut sich auf den Feierabend.