Von der Vorbereitung zur Reflexion – Praktische Prüfungen begleiten

— abgelegt unter:

Ergebnisbericht der Fortbildungsveranstaltungen der Regionalen Servicestelle Leipzig am 07. Oktober 2009 in Magdeburg und am 20. Oktober 2009 in Dresden.

Zu den teilnehmenden Personen zählten Praxisanleitende, Wohnbereichsleitungen und Pflegedienstleitungen aus stationären und ambulanten Einrichtungen ebenso wie Lehrkräfte von Bildungseinrichtungen und in Sachsen Vertreterinnen der Prüfungsbehörde. Die Veranstaltungen wurden von jeweils 24 Personen besucht.

Als Referentin war Annerose Bohrer eingeladen. Sie ist Diplom-Pflegewissenschaftlerin und nach ihrer Tätigkeit u. a. in einem Forschungsprojekt zur Lernfeld orientierten Altenpflegeausbildung (LoAD) als Lehrkraft im Studiengang Bachelor of Nursing an der Evangelischen Fachhochschule Berlin tätig.

Hintergrund und Zielsetzung

Die praktische Prüfung nimmt einen besonderen Stellenwert innerhalb der Examensprüfungen ein, da die Auszubildenden ihre berufliche Kompetenz im realen Handeln unter Beweis stellen müssen. Eine gute Prüfungsvorbereitung ermöglicht es allen Beteiligten, der Prüfung ohne Prüfungsängste entgegen zu sehen. Dafür braucht es eine kompetente Begleitung durch alle Personen, die für das Lernen in der Praxis Verantwortung tragen: durch Pflegefachkräfte und Praxisanleitende ebenso wie durch Leitungspersonen und Lehrende der Altenpflegeschulen.

Eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen der Prüfungsvorbereitung und der Prüfung selbst ist die Klarheit über die Anforderungen, die an Lernende gestellt werden. Schwerpunkt der Veranstaltung war es daher, die verschiedenen Anforderungen rund um die Prüfungsanteile der praktischen Prüfung in den Blick zu nehmen und an konkreten Fragen und benannten Herausforderungen zu arbeiten.

Es wurde mit handlungsorientierten Methoden gearbeitet, die es ermöglichen, bisherige Erfahrungen der Teilnehmenden aufzugreifen und zu nutzen. Der offene Austausch zwischen den anwesenden Personen und Berufsgruppen war ein wesentliches Element der Veranstaltung und hat maßgeblich zur Qualität und Tiefe der Arbeit beigetragen. Durch die gemeinsame Erarbeitung konnten Perspektiven verschränkt und einzelne Fragen der Prüfungsvorbereitung ganz konkret im Austausch zwischen Schulen und Praxis besprochen werden.

Erwartungen und Fragen der Teilnehmenden

Die inhaltlichen Schwerpunkte der Veranstaltung wurden gemäß der Fragen und Anliegen der Teilnehmenden zeitlich berücksichtigt und bearbeitet:

  • Merkmale einer gelungenen Prüfungsvorbereitung
  • Zusammenarbeit zwischen Schule und Praxis
  • gesetzliche Grundlagen der praktischen Prüfung (Aufgabenstellung, Beurteilungsmaßstäbe)
  • Motivation von Schülerinnen und Schülern, auch im Ausbildungsverlauf
  • Berücksichtigung des Zeitfaktors bei der Prüfungsvorbereitung
  • Anforderungen und Beurteilungskriterien zu den Prüfungsteilen
  • Rollen und Aufgaben in der Prüfung und Zusammenarbeit im Prüfungsteam
  • Umgang mit Prüfungsangst

 

Ergebnisse (in Auswahl)

Merkmale einer gelungenen Prüfungsvorbereitung
 

Bei der Diskussion zur Prüfungsvorbereitung wurde offensichtlich, wie umfassend die Vorbereitung auf beruflich kompetentes Handeln tatsächlich ist und dass eine optimale Vorbereitung nur durch die enge Zusammenarbeit der Lernorte Schule und Praxis möglich ist.

Im Einzelnen geht es bei der Prüfungsvorbereitung vor allem um folgende Aspekte

  • Die Vorbereitung auf beruflich kompetentes Handeln – wie es in der praktischen Prüfung unter Beweis gestellt wird - beginnt mit dem Start der Ausbildung und wird kontinuierlich im Ausbildungsverlauf durch Anleitungen und Einschätzungen des Lernstandes der Auszubildenden gestaltet.
  • Regelmäßige Selbst- und Fremdeinschätzungen in Form von Reflexionsgesprächen in den Praxisbetrieben unterstützen die Auszubildenden dabei, eine realistische Selbstwahrnehmung aufzubauen, sich in der Reflexion von Pflegesituationen und eigenem Handeln zu üben und Selbstverantwortung für das Lernen zu übernehmen. Insbesondere zu Beginn der Ausbildung benötigen die Lernenden einen Leitfaden zur Gestaltung der Reflexion.
  • Klarheit über die Aufgabenstellung und die Prüfungsbestandteile „Pflegeplanung“, „Durchführung der Pflege“ und „Reflexion“ ist zum einen gegenüber den Auszubildenden wichtig, zum anderen auch eine grundlegende Voraussetzung für die Zusammenarbeit zwischen Schule und Praxis.
    Schriftlich dokumentierte Verfahrensabläufe bzw. Handreichungen von Praxiseinrichtungen oder Schulen tragen hier zur Transparenz bei.
    Manche Praxiseinrichtungen, die mit mehreren Schulen kooperieren, entwickeln in Absprache mit den Schulen ihre eigenen Handreichungen, so dass ein einheitliches Vorgehen innerhalb des Betriebs gewährleistet ist.
  • Kriterien zur Auswahl von BewohnerInnen werden zwischen den Lernorten Schule und Praxis besprochen. Dabei wird gemeinsam die grundlegende Herausforderung diskutiert, einerseits möglichst umfassende berufliche Kompetenz zu prüfen, andererseits die BewohnerInnen und damit die Pflegeaufgaben so auszuwählen, dass sie in der Prüfungszeit von 90 Minuten leistbar sind.
  • Prüfungsunterlagen wie Beurteilungsbögen und Protokolle sind den Praxisanleitenden und Auszubildenden vertraut und können bereits im Ausbildungsverlauf für Anleitungssituationen genutzt werden. Alle an der Ausbildung beteiligten Personen stehen im Austausch darüber, was unter einzelnen Beurteilungskriterien zu verstehen ist.
  • Die Mit- und Selbstverantwortung der Lernenden wird im Ausbildungsverlauf kontinuierlich gefördert, allerdings mit Blick auf eine mögliche Überforderung der Lernenden. Auch im dritten Ausbildungsjahr sind regelmäßige Überprüfungen des Pflegehandelns selbstverständlich. Dabei muss es sich nicht immer um zeitintensive Anleitungen handeln, sondern auch kurze Gespräche, gelegentliche Fragen und Beobachtungen nehmen eine wichtige Funktion ein.

Im Verlauf der Veranstaltungen kamen viele positive Beispiele der Prüfungsvorbereitung aus den einzelnen Einrichtungen zur Sprache. Es zeigte sich aber auch, welche Grenzen durch die jeweiligen Rahmenbedingungen wie Personal und Zeit gegeben sind. Als förderlich wurden eine zeitliche Freistellung der Praxisanleitenden für Anleitung und Prüfungsvorbereitung sowie der Rückhalt im Team und von Seiten der Leitung hervorgehoben. Darüber hinaus wurden Möglichkeiten ausgetauscht, zeiteffektiv auf die Prüfung vorzubereiten.

Umgang mit Prüfungsangst

Eine gewisse Aufregung und Anspannung vor der praktischen Prüfung gehört sicherlich zur Prüfungssituation dazu und trägt im besten Fall dazu bei, positive Energie und Konzentration für die Prüfung zu entwickeln. Darüber hinaus können die Prüfenden viel dazu beitragen, dass eine angstfreie Prüfungsatmosphäre entsteht. Im regen Austausch wurden beispielsweise genannt:

  • Den Schülerinnen und Schülern durch positive Zuwendung und Bestärkung bereits im Vorfeld zeigen, dass man ihnen die Leistung zutraut.
  • Die Schülerinnen und Schüler am Prüfungstag freundlich begrüßen und auch während der Prüfung auf die eigene Mimik und Gestik achten.
  • Einen geeigneten ruhigen Raum für das Schreiben der Pflegeplanung und für die Prüfungsbesprechung zur Verfügung stellen.
  • Eine angenehme Atmosphäre schaffen z. B. durch Getränke, einen Strauß Blumen, etwas Obst oder Süßes.
  • Zu Beginn der Prüfung erklären, dass während der Prüfungssituation viel mitgeschrieben wird, um den Gesamtverlauf zu dokumentieren und nicht, um „Fehler“ aufzuschreiben.
  • Als Prüfer kein Prüfungsautomat, sondern Mensch sein (dabei die Balance zwischen Teilnahme und Zurückhaltung halten, z. B. wenn Bewohner die Prüfenden ins Gespräch einbeziehen).
  • Die Prüfungssituation vorab durchspielen bzw. insgesamt eine gute Prüfungsvorbereitung gewährleisten.
  • Eigene Unsicherheiten als Prüfende eingestehen, z. B. wenn erstmalig geprüft wird oder die beteiligten Prüfenden sich noch nicht kennen.

 

Fazit

Im Tagesrückblick äußerten die Teilnehmenden, dass die gemeinsame inhaltliche Arbeit das Bewusstsein für die Bedeutung der Prüfungsvorbereitung und für alles das, was dazu gehört, verstärkt hat. Auch die Unterschiedlichkeit der Rahmenbedingungen in den Praxiseinrichtungen wurde offensichtlich und die dadurch bestehenden Möglichkeiten und Grenzen. Die Teilnehmenden konnten eine Standortbestimmung im Hinblick auf die eigene Einrichtung vornehmen und sich bezüglich bereits bestehender eigener guter Konzepte bestärkt fühlen. Gleichzeitig eröffnete sich eine Vielfalt an weiteren neuen Möglichkeiten einer guten Prüfungsvorbereitung.

Der Austausch zwischen den verschiedensten an der Ausbildung beteiligten Personengruppen wurde als äußerst bereichernd erlebt. Es entstand der Wunsch nach weiterer formeller und informeller Zusammenarbeit und Netzwerkbildung, um auch zukünftig voneinander zu profitieren.

Artikelaktionen
Willkommen
Die Ministerin

Liebe Leserinnen
und Leser,

Pflegeausbildung
hat Zukunft!

 

Zum Grußwort der Ministerin
Das Wichtigste

Das Handbuch zur praktischen Altenpflegeausbildung

Alles, was Sie für eine erfolgreiche Ausbildung wissen müssen, finden Sie in dieser Rubrik.


QEK: Qualität - Ertrag - Kosten

Wenn Sie genau wissen wollen, welche Kosten Ihre Auszubildenden verursachen und welche Erträge diesen Kosten gegenüber stehen, dann lesen Sie hier weiter.


Publikationen des Servicenetzwerks

Alle Veröffentlichungen des Servicenetzwerks und alle Handreichungen, die im Servicenetzwerk erarbeitet wurden, sind hier zusammengestellt.